Die weibliche Beschneidung in Burkina Faso
Die Bevölkerung von Burkina Faso beträgt etwa 10 Mio. Einwohner, davon sind 52 % Frauen. Die meisten sind Animisten oder Muslime und hängen sehr an den Bräuchen und Traditionen ihrer Vorfahren. Dieses Festhalten an Traditionen erklärt auch das Ritual der Beschneidung der Mädchen.
Die Beschneidung ist nicht nur in unserem Land, sondern in ganz Afrika verbreitet, in jeder gesellschaftlichen Schicht und in jeder ethnischen Gruppe. Laut der Zahlen des Statistischen Instituts in Burkina Faso wurden in den Jahren 1998-1999 72 % der Frauen beschnitten, meistens im Westen (86 %) und im Norden (81%) des Landes. Die muslimischen Frauen sind in einem größeren Ausmaß betroffen.
Die Beschneidung wird bei Mädchen zwischen 0 – 10 Jahren vorgenommen, bei einigen ethnischen Gruppen sogar während der Pubertät. Sie wird nicht von einem Arzt oder Chirurgen vorgenommen, sondern von Frauen, Beschneiderinnen genannt, unter sehr schlechten hygienischen Bedingungen (das gleiche Skalpell für alle, kein Desinfektionsmittel, kein Betäubungs- oder Schmerzmittel...) Deshalb ist es nicht verwunderlich, daß die Risiken sehr groß sind. Unmittelbar nach der Beschneidung kann es zu Blutungen, zu Infektionen und einem psychischen Trauma kommen. Die Ansteckung mit Geschlechtskrankeiten, AIDS etc. ist möglich und kann tödliche Folgen haben. Es kann auch zu Langzeitfolgen kommen wie Schmerzen beim Urinieren, Infektionsgefahr während der Menstruation und des Geschlechtsverkehrs, Probleme bei der Entbindung...
In Anbetracht der Folgen, wie kann man einen solch grausamen Brauch rechtfertigen?
Die Befürworter dieses Rituals geben folgende Gründe an:
Bei den Muslimen ist die Beschneidung kein Muß, aber ein verdienstvoller Akt. Trotz dieser Aussage wird die Beschneidung in einem größeren Ausmaß bei muslimischen Frauen betrieben, in manchen gesellschaftsschichten wird sie sogar dazu gezwungen.
In den letzten Jahren sind der Regierung die Schäden dieses Rituals bewußt geworden und sie versucht nun, dagegen anzukämpfen. Es wird immer mehr gegen die Beschneidung unternommen. Seit 1975 wird in Radiosendungen die Praktizierung der Beschneidung kritisiert und verurteilt. 1985 forderten einige Gegner sogar ein Gesetz, das die Beschneidung verbietet. Im Jahr 1990 wurde ein Ausschuß gebildet (im Rahmen des Abkommens über Menschenrechte), dessen Hauptaufgabe es ist, die Beschneidung auszurotten. Dieser Ausschuß besteht aus Vertretern der verschiedenen Ministerien, der Frauenvereine, der Kirchen...
Um sein Ziel zu erreichen, hat der Ausschuß einiges unternommen:
Nach einem 10-jährigen Kampf sind die Ergebnisse sehr ermutigend:
FLM-Burkina Faso
Family Life Mission