Liberia

Liberia, ein Land im Aufbruch

FLM im Aufbruch...

Hoffnung hat sich breit gemacht unter den Menschen in Liberia seit der Wahl einer neuen Präsidentin und eines neuen Parlaments. Der Bürgerkrieg, der das Land 14 Jahre lang zerstört hat, ist zu Ende. „Wir wollen keinen Krieg mehr!“ – die Hoffnung, dass Frieden und Versöhnung das Land verändern, ist groß.

Zerstörte Häuser säumen die Straßen von Monrovia, auf der Fahrt ins Landesinnere sind zerstörte Dörfer, vernachlässigte Plantagen zu sehen. Auch die Infrastruktur ist zerstört - in der fast 500.000 Einwohner zählenden Hauptstadt Monrovia gibt es kein fließendes

Wasser und keine Elektrizität. Viele Menschen leben noch immer als Flüchtlinge im In- und Ausland in Lagern oder sind noch immer auf der Suche nach einer neuen Heimat. Viele Familien sind zerstört, Vater oder Mutter ist umgekommen durch den Bürgerkrieg. Mord und Vergewaltigung waren an der Tagesordnung. Kinder ohne Eltern mit dramatischen und traumatischen Erlebnissen sind die Folge.

Seitdem Mrs. Ellen Johnson-Sirleaf (64) die Wahl gewonnen hat, blicken die Menschen wieder voller Hoffnung in die Zukunft. Es wird gebaut. Häuser werden instand gesetzt. Zerstörtes wird abgerissen, um Platz für Neues zu machen.


Der Wiederaufbau wird lange brauchen – er wird teuer und braucht die Hände eines jeden Bürgers von Liberia – und sicher auch viel Hilfe von Hilfsorganisationen aus dem Ausland.

Auch Family Life Mission Liberia ist von diesem Aufbruch erfasst. FLM will bei diesem Aufbau mithelfen: Versöhnung zwischen den verfeindeten Gruppen schaffen; Witwen helfen, ihr Leben alleine zu meistern; Kindern ohne Eltern ein Zuhause geben und eine Schulausbildung ermöglichen.

Neuanfang im FLM-Zentrum in Monrovia
Das FLM-Zentrum von Monrovia hat durch die Ereignisse in den Jahren vor der Entmachtung von Charles Taylor gelitten. (Er ist in Sierra Leone in Haft, um sich vor dem Internationalen Gericht der UNO zu verantworten). Unsere FLM-Geschwister haben nun selbst die Initiative ergriffen: Das Zentrum in der 2nd Sinkor Street wurde völlig renoviert, und von den Spuren des Krieges ist nichts mehr zu sehen. Eine hohe Mauer umgibt jetzt das Gelände, und die „Walter Trobisch“ Schule empfängt täglich viele Kinder, die sich gerne unterrichten lassen. Einfache Klassenzimmer und

 

 

Schulbänke geben Raum für ca. 100 Kinder verschiedenen Alters. Vor Schulbeginn werden die Fahne Liberias und die von FLM gehisst. Dann gehen die Kinder in die sehr einfach und spärlich eingerichteten Klassenzimmer. Manchmal bricht eine Schulbank zusammen. Dennoch gehen die Kinder freudig in die Schule, um sich auf eine bessere Zukunft vorzubereiten. Viele der 13- bis 16- Jährigen haben nur Krieg und Zerstörung gekannt. FLM will diesen Kindern Hoffnung auf eine friedliche Zukunft geben.

Sonntags findet ein Gottesdienst statt, um den Flüchtlingen und Kindern eine neue und geistliche Heimat zu geben. Ca. 400 Menschen treffen sich regelmäßig, um Gott zu loben.

Neues FLM-Zentrum in Monrovia
Dieses Zentrum liegt etwa 8 km vom Hauptquartier der 2nd Sinkor Street in der Stadt entfernt. Es ist leicht zu erreichen, denn es liegt an einer Ausfallstraße und gibt vielen Kindern die Möglichkeit, zur Schule zu gehen.

Zehn große Räume und ein Bürogebäude warten auf die Fertigstellung.

 

 

Dank einer großen Spende konnte dieses Projekt vorangetrieben werden. Noch fehlen für den Innenausbau und die Einrichtung dieser Schule ca. Euro 10.000 (Tische, Bänke, Tafeln, Türen und Fenster). Sobald die nötigen Mittel vorhanden sind, werden weitere 10 Klassenzimmer gebaut. Auch Ehe- und Fortbildungsseminare für Eheberater sollen dort stattfinden. Das Zentrum soll ein Meilenstein für die Arbeit von FLM in Liberia sein.

Family Life Mission Zentrum in Gba
Das Zentrum (der Bau wurde wegen des Bürgerkrieges immer wieder eingestellt) ist nun fertig und es bietet genug Platz, um Eheseminare abzuhalten und vielen Kindern

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

die Möglichkeit zu geben, zur Schule zu gehen. Es liegt etwa 30 km von Monrovia entfernt. Das etwa 30 Hektar große Gelände erhielt Family Life Mission von einem Bewohner des Orts. Die Schulgebäude liegen auf einem kleinen Hügel, und die Möglichkeiten, das Zentrum auszubauen, sind groß. Geplant sind weitere Klassenräume,

 

 

eine Klinik (im Rohbau schon fertig) und ein Fußballfeld (mit Hilfe der pakistanischen UNO-Soldaten wurde das Gelände gerodet). Da das Gelände groß ist, kann es durch den Anbau von Bananen, Gemüse und Erdnüssen zum Unterhalt des Zentrums beitragen.

Es war bewegend zu erleben, wie die Schüler und Lehrer uns empfingen. Man spürt, der Krieg, der so viele Wunden geschlagen hat, ist zu Ende – und der Wunsch, in einem Land ohne Krieg und Zerstörung zu leben, ist groß und stark.

Family Life Mission in Tubmansburg
Tubmansburg ist eine Stadt, die 60 km westlich von Monrovia entfernt liegt. Eine Stadt, die während des blutigen Bürgerkrieges immer wieder heftig umkämpft war. Dort haben die Geschwister ein Gebäude renoviert und als Zentrum für die FLM-Arbeit in dieser Region vorgesehen.

 

 

Das kleine (noch nicht renovierte Gebäude) soll als Büro und Seelsorgezentrum dienen. Die Einweihung des Zentrums fand am 26. März statt.

Erstaunlich ist, dass unsere Freunde all diese Bauten in Eigeninitiative begonnen haben - ohne unsere finanzielle Hilfe. Menschen vor Ort werden motiviert, für das Anliegen von FLM gewonnen und legen Hand an. Es wird abgerissen, aufgebaut, renoviert und instand gesetzt. Ich war immer wieder von ihrer Tatkraft und ihrem Ideenreichtum beeindruckt.

Fortbildungsseminar in Monrovia
Dieses Seminar wurde vor einigen Jahren kurz vor Ausbruch des „letzten Krieges“ jäh unter-brochen. Die FLM-Geschwister brachten mich damals in Eile wieder zum Flugzeug – nicht weit vom Zentrum der Stadt gab es Schießereien. Nun sollte das versäumte Seminar nachgeholt werden. Von Montag bis Samstag waren anfänglich bis zu 50 Paare dabei, 25 Paare hielten bis zum Ende durch. Viel Zeit für den Dialog und den Austausch war uns wichtig.

Rufus, die rechte Hand von William S. Kettor, und sein Team hatten alles gut vorbereitet.

 

 

Ein Generator sorgte für den nötigen Strom und einige Frauen für das gute Essen jeden Tag.

Auch für die Teilnehmer, die Seelsorge suchten, war genügend Zeit gegeben. So flogen die Tage schneller dahin als gedacht.

sich nicht in die Ehe einmischen dürfen. Mein Ehepartner ist – nach Gott – die wichtigste Person in meinem Leben!

Ich will mich im Alltag daran erinnern, dass meine Frau genauso viel Wert hat wie ich. Sie hat ihren eigenen Willen und ihre Persönlichkeit, die ich respektieren muss. Sie ist nicht nur „ein Garten“, den ich besuchen kann, wenn ich Lust darauf habe.

Was wir bei diesem Seminar gelernt haben, hat unsere Ehe erneuert – vor allem unseren Umgang miteinander mussten Gott wirkt! Dies kam zum Ausdruck in den plötzlich aufgehellten Gesichtern und Augen der Geschwister. Zeugnisse, die beim Abschiedsessen von einigen Teilnehmern gegeben wurden, drückten deutlich aus, was Gott an den Einzelnen getan hatte.

Einige Zeugnisse der Teilnehmer
Wir sind froh, an diesem Seminar teilgenommen zu haben. Das meiste, was wir gehört haben, wussten wir nicht. Wir wollen uns in unserem Alltag daran erinnern und es in die Praxis umsetzen.

Hauptsächlich 2 Aspekte wurden uns wichtig:
Sich annehmen. Wir müssen uns selbst und den anderen annehmen, damit unsere Liebe zueinander wächst und wir glücklich sind.
Einander zuhören. Wir möchten dem anderen mehr Zeit widmen und ihm aufmerksam zuhören. Aufmerksam zuhören ist auch in unserer Arbeit als Seelsorger wichtig.

Meine Frau und ich haben viel gelernt, was uns helfen wird, glücklich und harmonisch zusammenzuleben. Wir haben erfahren, dass ein Paar „eins“ sein und die Eltern verlassen muss, d. h. dass der Ehepartner an der ersten Stelle kommt und dass Eltern und andere Verwandten wir ändern. Das Thema „Annahme“ war für uns das beste und wichtigste. Es öffnete uns die Augen. Wir konnten unsere Identität erkennen und den anderen annehmen, wie er ist.
Auch die Wichtigkeit des Austauschs in der Ehe wurde betont. Wir sind froh und dankbar für die Freude und den Frieden, die wir seit dem Seminar in unserer Ehe erfahren.
Wir beten, dass alle Teilnehmer zugerüstet werden, um ihren eigenen Landsleuten helfen zu können, mit den Erinnerungen an die furchtbaren Kriegsjahre fertig zu werden.


Liberia - Land mit Zukunft

Liberia ist ein Land mit einer großen Zukunft. Beten wir für unsere Mitarbeiter, dass sie sich durch die Umstände nicht entmutigen lassen. Besonders aber dafür, dass dem Land der für den Wiederaufbau nötige Frieden erhalten bleibt. Menschen müssen Heilung erfahren, um die traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten.

 

Ohne Vergebung - keine Zukunft

Ein junges Mädchen erzählte mir, wie sie zusehen musste, wie ihre Mutter von Kinder-Soldaten erschossen wurde (vermutlich auch vergewaltigt). Ihr Vater hat sie in die Stadt geschickt. Sie ist etwa 14 Jahre alt, kennt ihr genaues Alter nicht, kann weder lesen noch schreiben. Sie hatte keine Zukunft. Nun hat FLM sie aufgenommen.

Tief berührt hat mich ein Erlebnis im Zentrum von Monrovia. Während ich im Auto auf unsere Geschwister wartete, kamen eine Frau und ein Junge ans Auto und bettelten. Als ich genauer hinsah, stellte ich fest, dass der Junge, etwa 10 Jahre alt, keine Hände mehr hatte. Sie waren ihm mit einem Buschmesser während des Krieges abgehackt worden. Solche Kinder und auch Erwachsene gibt es Tausende. Liberia ist ein Land, das nach Frieden schreit. Immer wieder wurde mir beteuert: „Wir werden keinen Krieg mehr haben“.

Ich möchte allen danken, die mich im Gebet begleitet haben, und auch denen, die es durch ihre Gaben möglich machen, dass diese Arbeit getan werden kann.
 

 

Leiter der Gruppe:

Rev. William S. and Kumba Kettor
P.O. Box 5309
Monrovia, Liberia,
Africa

 

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Was Sie über Liberia wissen sollten

 

Flagge von Liberia

 

Die Republik Liberia ist ein Staat in Westafrika und grenzt an Côte d'Ivoire, Guinea, Sierra Leone sowie an den Atlantik. Liberia war zunächst ein Projekt zur Ansiedlung ehemaliger afroamerikanischer Sklaven nach der Abschaffung der Sklaverei in den Vereinigten Staaten und einer der ersten unabhängigen Staaten auf dem afrikanischen Kontinent. Konflikte zwischen

 

 

ehemaligen afroamerikanischen Sklaven und den einheimischen Ethnien prägen das Land bis heute. Nach einem blutigen Bürgerkrieg wurde mit der demokratischen Wahl einer neuen Staatspräsidentin der Grundstein für die Entwicklung Liberias gelegt.

Geografie
Es liegt hauptsächlich in der tropischen Regenwaldzone, die zum größten Teil gerodet wurde. Das Innere Liberias besteht größtenteils aus Bergland.

Städte
Die größten Städte sind (Stand Januar 2005): Monrovia (939.524 Einwohner),
Gbarnga (45.835 Einwohner), Bensonville (33.188 Einwohner), Harper (32.661 Einwohner).

Bevölkerung
Circa 3,3 Mio. Menschen leben in Liberia. Es existiert eine von Afroamerikanern abstammende Bevölkerungsschicht, die Kreolen oder Amerikoliberianer genannt werden. Sie machen jedoch nur 2-5% der Bevölkerung Liberias aus und sind meist Christen. Es gibt rund 20 Hauptethnien. Zudem leben ca. 8.000 Libanesen in Liberia. Die Bevölkerungswachstums-Rate beträgt ca. 2% pro Jahr (Schätzung 2002).

Sprachen
Mande wird im Westen und Norden des Landes gesprochen und Kru im Osten und Süden. Englisch ist die Muttersprache von 2,5 % der Bevölkerung, die als Nachfahren der aus den USA befreiten Sklaven gelten. Sonst wird Englisch als Verwaltungssprache genutzt. Weitere Sprachen in Liberia sind Gola, Kpelle u. a.


Religion
Die Angaben über die religiöse Zugehörigkeit der Liberianer schwanken teilweise stark. Die folgende Übersicht gibt die in der Literatur angegebene Bandbreite wieder:

Christen: 10-40 %, davon Katholiken: 2-10 % und
Protestanten: 8-30 %
Muslime: 15-20 %
Indigene Religionen: Animismus, Naturreligionen 50-75 %

Geschichte
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erreichten Portugiesen die Küste des heutigen Liberias, ohne dass es zu einer Erkundung des Landes kam. Im Jahr 1822 kaufte die American Colonization Society, eine Gesellschaft von weißen US-amerikanischen Gegnern der Sklaverei, den Küstenstreifen, um dort ehemalige Sklaven anzusiedeln und gleichzeitig Kolonialherren zu werden. Zu Beginn des amerikanischen Bürgerkrieges lebten dort rund 12.000 Afroamerikaner. Die daraus entstehende Herrschaft einer (gesellschaftlich gesehen) künstlichen, schwarzen Elite wurde erst im April 1980 durch einen Putsch durch Samuel K. Doe brutal geendet. Das Land versank in der Folge zunehmend im Chaos, das bis heute nicht beseitigt werden konnte.
Doe wurde 1989 abgesetzt, danach herrschte 14 Jahre lang Bürgerkrieg. Nachdem der Waffenstillstand der Bürgerkriegsparteien 2003 besiegelt war, verließ Präsident Taylor das Land. Seit dem 16. Januar 2006 ist Ellen Johnson-Sirleaf gewählte Präsidentin Liberias.
Heute stehen die Chancen für einen Wiederaufbau nicht schlecht, denn international wurden ca. 420 Millionen Euro als Entwicklungshilfe bereitgestellt.

Allerdings sank während des Bürgerkriegs das Pro-Kopf-Einkommen unter 125 Euro; die Arbeitslosigkeit liegt bei 85 %.

Politik
Die seit 1847 bestehende Republik Liberia ist der zweitälteste unabhängige Staat Afrikas. 1984 wurde eine neue Verfassung durch Volksabstimmung angenommen, die sich wie die vorhergehende eng an das US-amerikanische Modell anlehnt. Sie definiert Liberia als präsidiale Republik.
Der für sechs Jahre gewählte Präsident ist danach zugleich Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Die Legislative liegt beim Parlament, das aus zwei Kammern besteht: dem Senat mit 15 und dem Repräsentantenhaus mit 64 gewählten Abgeordneten.
Aus den Präsidentschaftswahlen vom November 2005 ging überraschend deutlich Ellen Johnson-Sirleaf mit ca. 59% der Stimmen als Siegerin hervor. Damit setzte sie sich gegen insgesamt 22 Kandidaten durch.

Wirtschaft
Die Wirtschaft ist durch große Gegensätze gekennzeichnet. Das liegt einerseits am Klima des Landes und andererseits an der unterschiedlichen Bodenbeschaffenheit. Aber auch die Abhängigkeit zu ausländischen Kapitalgebern trägt zu den Problemen des Landes bei.

Landwirtschaft
Etwas mehr als 70 Prozent der Menschen leben von der Landwirtschaft, die zur Selbstversorgung betrieben wird. Meist arbeitet man im Brandrodungsbau, der nicht nur zur Auslaugung der Böden und zur Vernichtung wertvoller Waldbestände beiträgt, sondern auch nicht geeignet ist, eine Marktproduktion zu errichten. Die Hauptnahrungsmittel sind Reis, Kassawa, Bananen und Süßkartoffeln.
Auf den Kautschukplantagen dagegen werden hohe Überschüsse produziert. Nach dem Eisenerz ist Kautschuk das zweitwichtigste Exportgut des Landes.
Außenhandel
Exportgüter: Gummi, Holz, Eisen, Diamanten, Kakao, Kaffee, Kautschuk und Ananas.

Schifffahrt
Viele Schifffahrtsgesellschaften fahren unter liberianischer Flagge, was vor allem an den niedrigen Kosten (keine Steuern über die Gebühren für die Registrierung hinaus) und der Verschwiegenheit der Behörden liegt. Dadurch hat Liberia, an Bruttoregistertonnen gemessen, die zweitgrößte Flotte der Welt.





















Family Life Mission