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Nachdenkliches

Bibelstudium

Er hat unser Volk lieb ! Lukas 7,5

Dies ist ein ungewöhnliches Zeugnis. Die römische Besatzungsmacht war verhaßt,
und es gab zahlreiche Eiferer (Zeloten), die mit Terroranschlägen gegen diese kämpften. Sie wollten sie aus dem Lande treiben, um die jüdische Souveränität wiederherzustellen.

Nicht so in Kapernaum und Umgebung. Der römische Offizier war äußerst zuvorkommend und hilfsbereit. Er war allseits beliebt. Er hatte sogar die örtliche Synagoge erbauen lassen, weil die jüdische Gemeinde sich dies nicht leisten konnte.
Er hatte eine große Achtung vor dem Gott Israels; die Gläubigen, denen er begegnete, lebten überzeugend nach der Thora und den Weisungen Gottes. Sie waren treu und aufrichtig. Ihre Gottesliebe war an ihrem Leben abzulesen. Wahrscheinlich war es dieses vorbildliche Glaubensleben, das den römischen Hauptmann so angesprochen und ihn innerlich für den biblischen Glauben gewonnen hatte.

Aus dem Umgang mit dem Volk Israel und den Unterhaltungen mit jüdischen Gläubigen war ihm bekannt, daß Gottes Macht unbegrenzt ist und man mit allen Nöten und Schwierigkeiten sich an Ihn wenden darf. Wie mitfühlend er war, erkennt man an seinem Verhältnis zu seinem Diener. Dieser erkrankte schwer, und es schien keine Hilfe mehr für ihn zu geben. Zu diesem Zeitpunkt war Jesus in der Nähe. Der Hauptmann sandte nicht etwa römische Untergebene zu Jesus, sondern er bat vielmehr darum, daß die jüdischen Ältesten sich für ihn verwenden sollten. Welche Demut spricht aus dieser Haltung! Er bittet diejenigen, über die er herrschen soll und die für ihn mittlerweile zu Vorbildern geworden waren. Sie hatten sein Leben reich gemacht. Die Ältesten der Stadt ersucht er, zu Jesus zu gehen und für seinen Knecht zu bitten. Hatte er befürchtet, abgewiesen zu werden, wenn er - als Angehöriger der Besatzungsarmee - persönlich käme? Wir wissen, daß Jesus andernorts sagte, daß er nur für die verlorenen Schafe aus dem Hause Israel gekommen sei (Matthäus 15, 24). Die Zeit der Mission war noch nicht gekommen. Später würden andere zu den Heiden gehen, um ihnen das Evangelium zu bringen. - Etwaige Bedenken Jesu wegen des Ansinnens des Römers zerstreuten die Ältesten sofort, indem sie bezeugten, was für ein vorbildlicher und glaubensoffener Mensch dieser sei.

Jesus ging auf die Bitte der Ältesten ein und machte sich auf den Weg zum Haus des Offiziers. Diesem waren inzwischen Bedenken gekommen, ob er dem Herrn Jesus einen solchen Aufwand zumuten dürfe. So schickte er ihm eine Botschaft entgegen und bringt zum Ausdruck, daß er um die Vollmacht und die Stellung Jesu weiß (Vers 8). Wenn schon er als Befehlshaber über einhundert Soldaten mit einer kurzen Anweisung etwas bewirken kann, wieviel mehr muß das bei Jesus möglich sein, dem die Engel dienen und auf dessen Wort Dämonen weichen. Sein himmlischer Vater hatte Ihm die höchste Vollmacht gegeben. Jesus, dem das himmlische Heer zur Verfügung stand, müsse sich nicht selbst in das Haus des Römers bemühen; ein einziges Wort Jesu, des höchsten "Befehlshabers" Gottes auf Erden, würde genügen.

Jesus ist erstaunt! Einen solchen Glauben hat er in seinem eigenen Volk bisher nicht angetroffen. Dieser fremde Offizier versteht mehr von Rangordnung, Vollmacht und den Auswirkungen von Befehlen als alle anderen. Vor allem wußte der Römer, wer Jesus ist: Gottes Beauftragter, mit uneingeschränkter Vollmacht ausgestattet! Kurz: der Sohn Gottes.

Der kranke Knecht war geheilt. Die Bibel läßt offen, ob Jesus ein Wort der Heilung sprach oder ob diese aufgrund des Glaubens des Hauptmanns erfolgte. In seinem Glauben übertrifft der römische Hauptmann die Zeitgenossen Jesu. Er kann ihnen - und uns - ein Vorbild sein.
"Berufsbedingt" und befristet war er nach Israel gekommen. Dort fand er, was sein Leben völlig veränderte: den lebendigen Gott - und den Glauben an Jesus Christus.

Hans-Joachim Heil

Family Life Mission